Koreareise

Korea-Studienreise "Auf den Suche nach den Wurzeln von Hanol"

„Zuviel Schimpfen macht alt“ - die Koreareise 2018

 ein Bericht von Renate Werner und Barbaras Hoyer, Dojang Köln

Die Shinson Hapkido Korea Reise ist eine ganz besondere Reise. Es ist eine Reise durch ein unglaublich schönes und abwechslungsreiches Land, mit seinen weichen und runden Hügeln, seinen Kiefernbäumen mit den verdrehten Ästen, die sich den widrigsten Umständen anpassen können, mit viel fließendem Gewässer, mit zahlreichen heiligen Tempeln, mit wunderbar freundlichen Menschen.  
Und es ist eine Reise, die jeden von uns 21 TeilnehmerInnen etwas gelehrt hat, die auch schon mal den einen und die andere von uns an die eigene Grenze gebracht hat, die uns immer wieder zum Nachsinnen und neu Überdenken aufgefordert hat. Eine Reise, die Neues hervor gebracht und uns alte Gewohnheiten auch schon mal über Bord hat schmeißen lassen.
Eine Gelegenheit hierzu hatten wir besonders auch an den beiden Tagen, die wir im Kloster „Haeinsa-Wondangam“ verbracht haben. Hier begannen die Tage morgens um 4:00 Uhr mit einer Meditation. Meister Chong Yang Su Min leitete die Meditation mit heilsamen Worten und rezitierte mit sonorer Stimme. Die Meditation enthielt viele tiefe Verbeugungen, „großes Grüßen“, eine sehr intensive Erfahrung am frühen Morgen!
Die Mönche teilten mit uns einige Lebensweisheiten: „24 Stunden am Tag Bauchatmung“, das „Spiegelputzen“ durch die Meditation als tägliche Aufgabe, aber auch: „Zuviel Schimpfen macht alt“. Sonsanim sagte hierzu, dass wir nicht immer so empfindlich reagieren sollen, wenn uns etwas nicht passt oder gefällt, sondern wir den Schmerz schnell wieder los lassen sollen. Sätze wie diese brachten uns immer wieder zum Nachdenken, und das war auch gut so, denn die drei Wochen waren kein klassischer Urlaub, sondern eine Do-Reise. Unsere Reise hatte das Ziel, sich leer zu machen, sich von „altem (Gedanken-) Müll“ zu befreien.
Aber ein bisschen Urlaub war natürlich auch dabei. Wir schwammen im Meer, im Thermalbad lagen wir entspannt in den heißen Becken und ließen uns anschließend von einer Masseurin am ganzen Körper mit einem Peeling-Handschuh abrubbeln und waschen, wir machten spektakuläre Wanderungen, wir flogen nach Jeju, die Hochzeitsinsel, und wir schauten uns die Megacity Seoul an. Am Abend feierten wir bei Mek-Ju (Bier), Soju (Reisschnaps) oder So-Mek (Bier mit Reisschnaps). Wir aßen üppig - besonders genossen wir es, wenn wir selbst zubereitetes Essen bekamen, so das Essen von Samunim, Sonsanims Frau, die auf Jeju für uns kochte, oder die koreanischen Köstlichkeiten, die die Han San Chon Schwestern für uns zubereiteten. Auch bei den Esseneinladungen lernten wir, dass in Korea einige Gewohnheiten ganz anders sind als bei uns. So waren wir im Zentrumsdojang beim Hapkido-Meister Chong zum Essen eingeladen. Uns wurde ein leckeres Menü serviert, zwei Gänge und süße Reispralinen zum Nachtisch. Wie gewohnt aßen wir alles auf, obwohl es eine sehr große Menge war. Nachdem wir die letzten Reispralinen verdrückt hatten, hat uns der Wirt noch eine Kartoffelpizza serviert. Verwundert über die Reihenfolge nahm jeder noch ein Stück. Wir wollten ja höflich sein, aber eigentlich waren wir schon pappsatt. Nachdem die Pizza geschafft war, haben wir uns glücklich die Bäuche  gerieben - doch es hörte nicht auf: Jetzt gab es noch eine Runde Pommes Frites!
Irgendwann klärte Sonsanim die Situation: in der Küche hatten sie unsere leer gegessenen Teller gesehen und panisch gedacht, dass wir nicht satt geworden waren. Daraufhin haben sie immer weiter gekocht, bis schließlich die Tiefkühltruhe nur noch Pommes Frites hergab. So lernten wir, dass in Korea bei einer Einladung der Teller nicht ganz leer gemacht wird, da sonst der Gastgeber denkt, dass man noch nicht satt sei! Das sollte uns nicht noch mal passieren!
Wir alle haben die Zeit miteinander in Korea sehr genossen. Waren wir uns zum Teil zu Beginn der Reise noch ganz fremd, so kamen wir uns hier Tag für Tag näher, es entstanden Freundschaften. Wir hatten eine wunderbare Gemeinschaft. Unglaublich, dass dies in der kurzen Zeit möglich war.
Nach gut drei Wochen endete die Reise, alle fuhren wieder nach Hause - nach Deutschland, nach Belgien, in die Schweiz, nach Dänemark. Aber auf einer anderen Ebene dauert unsere Reise noch an, durch die vielen schönen Begegnungen, durch die gemeinsamen Erfahrungen, durch heilsame Worte und anregenden Austausch.


Alle zwei Jahre findet unter der Leitung von Sonsanim Ko. Myong eine 24-tägige Studienreise durch Süd-Korea statt.
Informationen zur nächsten Koreareise in 2020 finden Sie hier ...

Das Kloster HaeInsa WonDangam
Meister Chong und die Klosterglocke...
Training mit koreanischen Hapkidomeister*innen
auf den Königsgräbern der Silla-Epoche
und beim Sonnenuntergang
Pause im Dongpirang Mural Village
am Stand von Jeju
unvergleichliche Natur: der Jeonbang Wasserfall