44. Internationaler Kyosanimlehrgang

Eine gute Nachricht
Sonsanim Ko Myong sagt, Do sei eine gute Nachricht. Ja, das passt. Eine gute Nachricht breitet sich vom Herzen aus, in den ganzen Körper, in jede Pore und in jede Zelle. Das ist angekommen. Der Kyosanimlehrgang bietet eine gute Möglichkeit mit Do in Kontakt zu kommen und an sich und seinen Lehrerkompetenzen zu arbeiten. Ich mag diesen Lehrgang ganz besonders. In diesem Jahr waren es 35 (?) Teilnehmer und die Stimmung war sehr angenehm. Wir hatten die Unterstufe zum Thema, wobei ich finde, dass man auch immer für alle Stufen viele Erkenntnisse mit ins Training nehmen kann. Ich versuche möglichst jedes Jahr an diesem Lehrgang teilzunehmen, weil ich für mich und meine Arbeit im Training sehr viel lernen kann. Ich habe ein großes Interesse daran, mich als Shinson Hapkido Lehrerin weiterzuentwickeln und neue Methoden kennenzulernen. Mein Unterricht verändert sich dadurch und ich bekomme ein tieferes Verständnis für  die Bewegungen. Die Bewegungen des Köpers, der Energien und des Geistes. Chong Ki Shin.
Für mich war in diesem Jahr besonders, dass Sonsanim viel darüber gesprochen hat, alte Muster loszulassen. Das hörte ich immer wieder raus. Gar nicht so einfach. Gewohnheiten sind sehr stark. Aber Freiheit ist sonst überhaupt nicht möglich. Ich will frei sein. Für das Unterrichten bedeutet das, zum einen den SchülerInnen mehr Bewegungsgrade zu vermitteln, und zum anderen natürlich auch die eigenen Muster des Unterrichtens loszulassen. Eine große Aufgabe. Eine große, schöne Aufgabe. Das bedeutet auch, die Freiheit haben Entscheidungen zu treffen. Man muss sich entscheiden, aus dem Herzen, klar. Für mich ist in diesem Lehrgang klar geworden, dass man die Antworten Innen findet, nicht Außen. Ich möchte meine Antworten finden und nicht die Antworten anderer. Das ist natürlich ein weiter Weg, aber der erste Schritt ist der wichtigste. Der Kyosanimlehrgang hilft mir dabei diesen Weg weiter zu gehen. Als Kyosanim will ich für meine SchülerInnen eine gute Begleitung, ein Freund und Nährstoff sein, damit auch sie sich in ihrer Schönheit entwickeln können. Doch auch als LehrerIn hört die Entwicklung zum Glück nie auf. Man muss in Bewegung bleiben, auf allen Ebenen. Dann kommt sie, die gute Nachricht und erfüllt den Körper, die Atmung und den Geist in all ihrer Vollkommenheit.
Lea Lorenzen, 26. Ki, Oh Haeng Hamburg 5

Im März dieses Jahres besuchte ich von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag nach meiner Prüfung zum 1. Dan in 2017 zum ersten Mal einen Kyosanim-Lehrgang. Er fand im Chon-Jie-In-Haus in Hamburg St. Pauli statt; für mich hatte es auch etwas von Nachhause-Kommen, habe ich doch viele Jahre dort als Schüler trainiert und die entscheidenden Impulse für die Dan-Prüfung von dort mitgenommen. Beeindruckt hat mich bei dem Lehrgang der geschwisterliche Umgang der Teilnehmenden untereinander, gleichgültig ob Sabomnim oder Gom Jomg-Ddi-Frischling. Und zu dieser Grundstimmung passt auch das, was Sonsanim über unsere Gemeinschaft erzählt hat, was er auch praktisch unterlegte, als er zum Abschluss des Lehrgangs am Sonntag in der Männerumkleide zum Duschen ging – so wie auch seine Schüler*innen.
Zum Gelingen des Lehrgangs trugen die gute Organisation und die tolle Bewirtung (sehr leckere warme Hauptgerichte!) bei, besonders beeindruckte mich die Bedienung bei den Hauptmahlzeiten am Tisch. Herzlichen Dank an Ruth und Uwe, an Sybille und Ulla und an all die guten Geister, die für das „Drumherum“ sorgten. Und ein großes Dankeschön an alle, die mitmachten, als Lehrende und Lernende!
Inhaltlicher Schwerpunkt des Praxisteils war das Programm der Kup-Unterstufe. In der Theorie setzten wir uns mit den Aspekten Shinson Hapkido – Kyosanim (wie kann ich ein guter Lehrer sein?), den Beziehungen innerhalb der Shinson Hapkido – Gemeinschaft, den Grundgedanken des Shinson Hapkido – Trainings sowie dessen Bewegungen sowie deren Zusammenhang mit Gesundheit und Do auseinander. Zum Abschluss des Theorieteils beschäftigten wir uns mit dem Thema Prüfungen im Shinson Hapkido und in diesem Zusammenhang mit den Rollen von Lehrer*in“ und Prüfer*in.
Besonders angenehm empfand ich die Hwal In Sul – Behandlung am Samstagabend bei Kreuz- und Beinschmerzen als Partner*in - Übung. Das befreiende Gefühl, mit meinen Händen Gutes geben und mit meinem Körper Gutes  annehmen zu können, sich also gegenseitig zu unterstützen, begleitet mich bis heute.
Als Kernbotschaft bzw. –lerninhalt habe ich mitgenommen: Ich bin ein wertvoller Mensch! Wenn ich das wirklich glaubend weiß, fühle ich mich geliebt, geborgen und in Harmonie. Das macht mich fähig, auch die oder den Andere*n als wertvollen Menschen wahrzunehmen und zu achten. Dann kommt von Innen das Bedürfnis, anderen Menschen (und damit auch mir) Gutes zu tun, ihnen zu dienen, sie zu begleiten auf ihrem Weg zu dieser Erkenntnis. Die Erkenntnis schenkt inneren Frieden, macht mich ganz und heil. Dann sehe, spüre ich die Einheit von Himmel – Erde – Mensch und Natur und möchte sie bewahren, weil ich Verantwortung für mein Handeln übernehmen kann. Mir kann mein wahres Selbst begegnen – ein Geschöpf Gottes zu sein. Und darin liegt für meine Begriffe die gute Nachricht, von der Sonsanim sprach; die wir mittels Shinson Hapkido erkennen und verbreiten können – und durch unser Handeln. Die Nachricht dabei ist selbst unabhängig von Shinson Hapkido als Lehrweg oder von Sonsanim als dessen Gründer. Die gute Nachricht kann auch mit Ki Doin (als Bewegung für das Leben)  erfahren werden.
Wir beschäftigten uns ja am Samstagabend mit dem Verhältnis von Ki Doin und Shinson Hapkido. Meines Erachtens können wir beide als zwei Seiten einer Medaille sehen: Gerade wenn jemand Shinson Hapkido zu trainieren beginnt, wirkt das Training zunächst eher auf den Körper, später dann auch auf das Ki des Trainierenden: die körperliche und die lebensenergetische Kraft wachsen. Je stärker, desto mehr braucht das Begleitung durch eine geistige Reife, um die Kraft auch gut kontrollieren, gut einsetzen zu können und um mir und anderen nicht zu schaden, z. B. im Techniktraining: Wenn ich der oder dem Anderen zeigen will, dass ich „besser“ bin und hart, eckig werde in den Bewegungen.
Bei mir habe ich im Rückblick diese Erfahrung gemacht, dass diese geistige Entwicklung, die Ausbildung von Shin, durch das regelmäßige Besuchen der Heilgymnastik  -  also das Praktizieren von Ki Doin zusammen mit den erläuternden Worten des Kyosanims dazu –gefördert wurde. Beides ergänzte sich bei mir sehr gut, kraftvoller wurde ich durch das „eigentliche“ Shinson Hapkido-Training; weicher, geschmeidiger, „kontaktvoller“ durch Ki Doin. Vielleicht auch deswegen, weil es bei der Heilgymnastik nicht auf Dobok und Gurtfarben, konditionelle Verfassung oder technische Leistung ankam, sondern eher das innerliche Erleben, aber auch der Kontakt von Mensch zu Mensch (z. B. in den Partnerin-Übungen oder in der wechselseitigen Massage) im Mittelpunkt stand. Fast kommt es mir vor, als könnte ich das Verhältnis von Ki Doin und Shinson Hapkido als ein Verhältnis von Um und Yang fassen.
Wenn ich das Geschriebene lese, merke ich, dass ich am liebsten gleich den nächsten Kyosanim-Lehrgang besuchen will, um weiter zu lernen, mich auszutauschen mit den „Brüdern und Schwestern“, was es heißt, den Weg von Shinson Hapkido zu gehen und anderen zugänglich zu machen, Do im Herzen.
In diesem Sinne: Herzlichen Dank und bis bald!
Bu-Kyosanim Thorsten Thorein, 31. Ki, Dojang Berlin