Workshop für das Programm zum 3. Dan

II Dan Lehrgang – Aachen 2018

Wir wurden sehr herzlich in den wunderschönen und großzügigen Räumen willkommen geheißen. Der Dojang in der ehemaligen Fabrikhalle empfängt einen, mit seinen hohen weiß getünchten Ziegelwänden und den massiven Deckenbalken, mit einer ungewohnten Weitläufigkeit. Wir hatten unglaubliches Glück mit dem Wetter. Die Sonne schien durch die unzähligen Fabrikfenster und wärmte den Raum. Für die kühlen Nächte würde ich einen extra kuscheligen Schlafsack, einen warmen Pullover und sehr dicke Socken empfehlen. (Wirklich!)
Die Aachener waren alle unglaublich entspannt und freundlich. Wir wurden herzlich umsorgt und ausgiebig mit phantastischem Essen und einem unglaublichen Kuchenbüffet bewirtet. Der russische Zupf-Kuchen war leckerer als das alte Familienrezept meiner Großmutter – was ich ihr gegenüber natürlich niemals zugeben würde. 
Wenn man neu in der Stufe ist, kann man sich auf eine hohe Dichte von Techniken einstellen. Es ist ein exklusiver Lehrgang, der sich konzentriert mit dem 2. Dan Programm auseinander setzt. Wenn ihr plant, euch mal so richtig gut mit dem Jung Bong anzufreunden, solltet ihr euch am besten jetzt gleich für den nächsten Aachen Lehrgang anmelden.Die Techniken wurden strukturiert aufgebaut. Es wurde ausgiebig auf einzelne Blöcke eingegangen und wir bekamen immer wieder die Chance, das Gelernte in Ruhe zu wiederholen und nachzuschleifen. Der Fokus lag klar auf Genauigkeit und nicht auf ein gehetztes Durchziehen aller Themen der Stufe, was sehr angenehm war. Weniger ist tatsächlich manchmal mehr. Die Gyocha Jahse zog sich wie ein roter Faden durch diesen Lehrgang. Wie der Körper dem Blick, der Schulter und der Hüfte folgt und wie man diese Bewegung richtig einsetzt, war ein durchgehendes Thema. Obwohl die Gyocha Jahse seit vielen Jahren ihren festen Platz im Programm hat, wurde mir noch einmal ganz deutlich, wie existenziell wichtig eine saubere Stellung und sichere Vorbereitung ist, um aus der Drehung den Schwung und die Kraft für die folgende Technik zu holen.
Sehr erfrischen waren auch unerwartete "Aha-Erlebnisse" bei anderen grundsätzlichen Techniken. Gibon Jok Sul trainiert man meistens bereits seit Jahren, doch nach einer umfassenden Analyse merkt man schnell, wie viel man immer wieder nachschleifen und verbessern kann. Ich würde mir allerdings noch wünschen, dass man einige didaktische Prinzipien vielleicht generell noch mal überdenkt und zeitgemäß überarbeitet. Wir wurden daran erinnert, wie oft man mit Kraft oder Schnelligkeit unsaubere Techniken kompensiert und so Gefahr läuft sich langfristig ungesund zu bewegen. Wir sollten die Themen lieber sauber und langsam aufbauen und immer wieder selbstreflektiert an den eigenen Bewegungen arbeiten. Wir wurden auch darin bestärkt, dass jeder seine eigene, authentische Form hat. Dieser Grundform sollte man vertrauen und sie liebevoll weiterentwickeln anstatt zu versuchen, etwas anderes zu kopieren. 
Herzlichen Dank für die vielen Anregungen und dieses wunderschöne und lehrreiche Wochenende! 
Ilka Volz, Dojang Hamburg 5

Jung Bong Makki
den Blick für kleine Details schärfen

Passend zum koreanischen Neujahr (Seollal), trafen sich auch dieses Jahr wieder rund dreißig motivierte Träger des 2. Dans vom 16. bis 18. Februar im Dojang  Aachen zum gemeinsamen Trainieren. Für mich war es die erste Teilnahme an diesem Workshop und auch mein erstes Mal im wunderschönen Aachener Dojang. Auf dem Weg vom Auto zum Eingang des alten Fabrikgebäudes fiel mir gleich die Werbung der Kampfsportschule auf, welche die Räumlichkeiten im unteren Teil des schönen Backsteingebäudes bezieht. „Werde stark, schlag hart und sei schnell. Willst Du das? Klar willst Du das! Let's Go!“ – ein leichtes Schmunzeln konnte ich mir beim Lesen dieses Spruches nicht entgehen lassen, wusste ich doch welch gegenteilige, herzliche Welt mich gleich zwei Stockwerke höher erwarten würde. Freundlich wurden wir von Sabomnim Christoff in seinem liebevoll gestaltetem Dojang begrüßt. Ein Blick in die Runde machte mir bewusst, was für ein familiärer kleiner Lehrgang das werden würde und dass ich sogar zu jedem Gesicht einen passenden Namen parat hatte. Sabomin Joachim, welcher mit Assistent Bu-Sabomnim Jurij Menzel das Training in den nächsten Tagen leiten würde, hatte natürlich auch noch etwas zu sagen. In seinen Worten, die wie üblich zu einer großen Rede ausuferten, fiel das Thema ganz nebenbei auf die jungen Teilnehmer unter 30 Jahren. Zu meiner eigenen Überraschung stellte ich, bei einem erneuten Blick in die Runde, fest, dass eigentlich nur ich damit angesprochen war. Direkt stellte ich mir die Frage was mich wohl als jüngste Teilnehmerin im Training erwarten würde. Auf anderen Lehrgängen wird man als „junger Hüpfer“ oft heran gezogen, um etwas vorzumachen. Dabei handelt es sich meistens um spektakuläre Sprungtritte, federleichte Fallübungen oder sonstige akrobatische Leistungen. Die Trainingskollegen aus dem eigenen Dojang haben sich natürlich an einen gewöhnt, doch wenn ich auf Lehrgängen auf neue Trainingspartner treffe erhalte ich oft verschiedenstes Feedback. Das reicht leider von traurigen Seufzern, gefolgt von „Das konnte ich früher auch einmal.“, bis zu begeisterten Ausrufen wie „Du fliegst ja wie eine Feder.“. Am meisten erfreuen mich aber die älteren Trainingspartner, die sich durch mich angespornt fühlen und dadurch motiviert sind noch mehr als sonst zu geben. Für mich persönlich spielt es keine Rolle wie alt, groß, dick oder dünn mein Gegenüber ist. Ganz im Gegenteil: Ich erachte es als wichtig zu Lernen seine Bewegungen und Techniken an die verschiedensten Menschen anzupassen, um auf alle möglichen Situationen vorbereitet zu sein. In gewisser Weise beschäftigte uns dieses Thema auch über den Lehrgang hinweg. Statt alle 3. Dan Techniken in der kurzen Zeit durch zu hetzen, wie ich es anfangs erst vermutet hatte, beschäftigten wir uns nur mit wenigen Techniken, aber dafür sehr detailliert. Auch wenn ich so gut wie jede Woche das Glück habe mit Sabomnim Joachim zu trainieren, bin ich jedes Mal wieder aufs Neue begeistert von seiner Beobachtungsgabe und seiner Fähigkeit im kleinsten Detail Techniken und Bewegungen verständlich zu erklären. Ziel war es jedoch nicht, seinen Erklärungen 1 zu 1 Folge zu leisten, sondern die Idee hinter der Technik zu verstehen und diese für einen selbst passend zu machen. Außerdem haben wir uns viel mit dem Jung Bong bewegt, so dass wir vor lauter Jung Bong-Nähe die ein oder andere Blase an den Händen als Erinnerung mit nach Hause nehmen konnten. Doch auch sonst bleibt der Lehrgang in sehr guter Erinnerung bei mir – ich bin dankbar für das lehrreiche Training, die schönen Begegnungen und das unglaublich leckere Essen der Aachener Schüler. Bis bald!
Bericht von Deborah Buth, Dojang Darmstadt.
Fotos von Anna Gavras, Dojang Darmstadt.